Chiquadrat's Blog

Januar 1, 2010

Unfreundlich: GOP Hannover schickt Gäste ins Nasskalte…

Einsortiert unter: Hannover — chiquadrat @ 11:35 pm
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Bild: Raucher nicht willkommen: GOP Variete in Hannover

Raucher nicht willkommen: GOP Variete in Hannover

In unserer Stadt gibt es mit dem GOP Variete Hannover im Georgspalast seit einigen Jahren wieder ein Varietetheater (zur Homepage des GOP Hannover). Eigentlich eine Bereicherung für unsere Stadt. Daher habe ich am 31.12.2009 die Chance wahrgenommen, dort Sylvester zu feiern. Das Angebot klingt durchaus interessant: Für ca. EUR 150,00 pro Karte bekommt man einen Abend Varietè-Unterhaltung inkl. Bewirtung. Für mich ist es bereits das zweite Mal, dass ich das GOP Variete zu Sylvester besuche.  Dieses Mal allerdings zum ersten Mal unter Leitung des (neuen) hannoverschen GOP-Direktors Dennis M. Meyer.

Bevor ich mich zum Sylvesterprogramm und meiner Kritik zur Location äußere jedoch eines Vorweg: Man ist dort als zahlender Gast gern gesehen, solange man nicht den Wunsch hat, eine Zigarette oder Zigarre zu konsumieren. Durch das niedersächsische Nichtraucherschutzgesetz von 2007 sind wir es ja gewohnt, dass nicht mehr überall geraucht werden darf. Serviceorientierte Gastronomen haben jedoch die Möglichkeit, in Niedersachsen einen separaten Raum dafür bereitzustellen. Nicht so beim GOP Hannover: Ich hatte den Wunsch, ein Sylvester-Zigarillo zu rauchen. Auf meine Frage nach dem Raucherzimmer antwortete das Servicepersonal leicht sarkastisch: “Der Raucherraum ist vor der Tür mit Blick zur Strasse — die Strasse gehört Ihnen…”. Nun gut, auch daran hat man sich ja mittlerweile gewöhnt. Ich ging vor die Eingangstür und fand mich dort in einer (größeren) Gruppe rauchender Damen und Herren ein (allesamt dem Anlass entsprechend in Abendkleid/Anzug bzw. Smoking gekleidet).

Nach ca. des halben Zigarillos wurde mir und der übrigen Gruppe deutlich gemacht, dass selbst vor der Eingangstür Raucher im GOP Hannover nicht willkommen sind: Ein Angestellter, der offenbar für die Ordnung und Einlaßkontrolle im GOP verantwortlich war, sagte rüde zur Gruppe, dass man gefälligst weiter vom Eingang Richtung Straße gehen sollte, denn der Rauch zöge in das Restaurant “die Gondel”, das offenbar mit dem GOP Hannover assoziiert ist. Nur zur Verdeutlichung, warum dieses einigermaßen lächerlich ist: Das Restaurant ist durch eine Eingangstür aus Glas von dem Aussenbereich, in dem geraucht wurde, verschlossen. Nach dem Öffnen und Passieren der Eingangstür der Gondel führt eine Treppe gefühlte zwei Etagen abwärts, um überhaupt in den eigentlichen Eingangsbereich im Untergeschoß zu kommen. Von dort aus muss man noch mal ca. 15 Meter gehen, bevor man überhaupt in den Sitzbereich kommt, im dem sich die Gäste der Gondel aufhalten. Nun ja, der Sicherheitsangestellte zeigte kein Erbarmen und schickte die Gäste, die ca. 15o EUR pro Karte gezahlt hatten und leicht in Abendkleid bekleidet waren, bei ca. 2 Grad Minus und Schneetreiben auf die Strasse. Fazit: Wenn man Rauchen möchte, sollte man lieber nicht ins Variete Hannover gehen, denn man ist schlicht nicht willkommen.

Champagner Karte zu Sylvester 2009 im GOP Hannover

GOP-Direktor Dennis Meyer empfiehlt Gästen den "profitabelsten" Champagner...

Mit dem Eintrittspreis sind zwar Speisen aber nicht die Getränke abgegolten. Zum Wechsel des Jahrzenhnts sollte es schon Champagner sein ;) . Auf der Speisekarte wurden drei Sorten Champagner angeboten: Champagner Saint Thomas Tradition Brut für EUR 45,00 die Flasche, Champagner Baron Fuente Rosé Dolorés Brut für EUR 55,00 die Flasche und Moet & Chandon Brut Imperial für EUR 69,00 die Flasche. Ein Vergleich der Preise mit den Preisen aus den verlinkten Online-Shops offenbart eine interessante Gastronomen-Aufschlagspolitik des GOP: Beim ersten sind es EUR 25,20, beim zweiten EUR 30,11 und beim dritten EUR 37,52. Also beim teuersten Champanger ist der Profit am höchsten. Und nun ratet mal, welchen Champagner Variete-Direktor Dennis Meyer den Gästen laut und deutlich empfohlen hat…? Natürlich den Moet & Chandon Brut Imperial! Also hier ging es schon einmal nicht um Geschmack und Stil, sondern schlicht um schnöden Profit.

Dieser Eindruck bestätigte sich auch beim Servieren des Champagners (ich habe mich für den Saint Thomas entschieden – eine gute Wahl, wirklich lecker, leider mit dem “geringsten” Profit für das Theater!). Die sonst so freundliche Servicekraft “Sophienne” wirkte recht unbeholfen: Da wurde der Aluminiumüberzug einfach aufgerissen, so dass die Flasche zerfetzt und ausgerissen im Champagnerkühler lag. Beim Öffnen des Korkens wurde nicht stilecht die Flasche anstelle des Korkens gedreht und der Korken dabei noch bedrohlich in Richtung meines Auges gehalten. Vielleicht hätte der Veranstalter seinen Servicekräften einen kurzen Crashkurs in stilgerechte Serviertechniken anbieten sollen.

Künsterisch setzte sich der einfallslose und leicht biedere Eindruck leider fort: Einzig die kecke Berliner Stimme Chantal konnte überzeugen. Ansonsten schlichte Akrobatik ohne wirkliche Highlights, bei den Darbietern wurde fürs Auge zudem fast ausschließlich auf die Bedürfnisse des weiblichen Publikums Rücksicht genommen.

Die Aussenabbildung des GOP habe ich der deutschsprachigen Wikipedia entnommen; dort stellt Fotograf “AxelHH” das Foto zur allgemeinen Nutzung frei.

3 Kommentare »

  1. Vielen Dank für die Info! Es ist wirklich erstaunlich, auf welche Spitzen die Raucher-Diskriminierung mitunter getrieben wird. Ich habe (selbstverständlich!) keinerlei Problem mit dem Nichtraucher-Schutz. Alerdings befinden wir uns in einem freien Land, in dem jeder selbst entscheiden kann, wo er sich aufhält oder lieber nicht. Nie habe ich bis heute gehört, dass jemand, der sich nicht in der Nähe von Rauchern aufhalten möchte, je dazu gezwungen wurde. Insofern handelt es sich bei dem “Raucher-Diskriminierungs-Gesetz” m. E. und eine Entmündigung von Rauchern und Nichtrauchern. Irgendwie gefällt mir das so gar nicht.

    Dennoch oder erst recht wünsche ich Dir ein prächtiges neues Jahr! Lass uns erstmal eine rauchen … ;o)

    Kommentar von skriptum — Januar 2, 2010 @ 11:18 am | Kommentar

  2. Das mit dem Rauchen ist in der Tat eine Frechheit.

    Allerdings ist die Kritik am Champagnerpreis NICHT berechtigt, so leid es mir tut. In dieser einen Hinsicht muß man das GOP in Schutz nehmen.

    Gasstronomiepreise sind selbstverständlich IMMER erheblich höher als Versand- oder Großhandelspreise!

    Überleg’ Dir mal, was eine Tasse Kaffee oder ein Glas Saft oder ein Bier oder Wein normalerweise in Restaurants / Kneipen kosten! Die sind auch stets allersaftigst über dem, was man normalerweise selber dafür bezahlen müßte! Die Verdienstspanne des GOP liegt völlig im normalen, grünen Bereich.

    Kommentar von Hannoveraner — Januar 2, 2010 @ 5:37 pm | Kommentar

  3. Also ehrlich gesagt bin ich mittlerweile lieber im GOP als früher. Die Luft ist eh schon recht stickig da drin, dass ich es nur als angenehm empfinde, dass man dort nicht mehr rauchen kann.
    Und ganz ehrlich: Wenn die Raucher draußen rauchen, tun sie dies auch nicht wirklich nichtraucherfreundlich und stehen genau dort, wo alle durchgehen müssen. Ich verstehe ja, dass es kalt ist und man versucht dabei noch windgeschützt zu stehen. Aber ich als Gast habe keine Lust mich da zuqualmen zu lassen und mich wie durch ein Labyrinth durchrobben zu müssen.
    Demselben Phänomen begegnet auch vor dem Bahnhof usw bei diesem Wetter… darüber könnte ich mich echt aufregen…
    Und zum Champagner: Seit wann stört Dich das denn? ;-)

    Kommentar von Kennerin — Januar 2, 2010 @ 11:26 pm | Kommentar


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